Hergruppen LAG Bayern

Informationen für Ärzte zur Herzgruppenarbeit

 

Herzgruppen in Bayern - Situation

 

Zur Zeit bestehen in Bayern ca.

  • 700 Herzgruppen in
  • 330 Trägervereinen,
  • mit ca. 14.000 Patienten

Ihre Mitarbeit als Arzt in Herzgruppen wird dringend benötigt!

 

Wesen und Ziele der Herzgruppenarbeit

Kardiologische Rehabilitation und Sekundärprävention sind wesentliche Teilbereiche einer umfassenden, am langfristigen Erfolg orientierten medizinischern Versorgung von Herzkreislaufkranken. Mit Hilfe eines multidisziplinären Teams werden die Patienten unterstützt, die individuell bestmögliche physische und psychische Gesundheit sowie soziale Integration wieder zu erlangen und langfristig aufrecht zu erhalten (WHO 1993).

Herzgruppen verstehen sich als Partner des niedergelassenen Arztes mit der Aufgabe,

  • ambulant die in Rehabilitationskliniken eingeleiteten rehabilitativen und sekundärpräventiven Interventionen konsequent fortzusetzen und
  • ambulant derartige Maßnahmen als ergänzende Leistung generell in der Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen behandelnden Ärzten/Kardiologen verfügbar zu machen.

Das Ziel der Herzgruppen ist es, im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes

  • durch regelmäßige, fachkompetente Informationen Wissen über krankheitsgerechtes und gesundheitsförderndes Verhalten zu mehren
  • durch Bewegungs- und Sporttherapie Erfahrungen mit dem eigenen, sich bewegenden Körper sowie Übungs- und Trainingsmethoden zu vermitteln
  • durch Einüben Stressbewältigungs- und Entspannungstechniken erlernen zu lassen und
  • durch Gruppen- und Individualgespräche Krankheitsbewältigung zu erreichen sowie Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Eigenverantwortlichkeit aufzubauen.

Herzgruppen schulen eigenverantwortliches Handeln in einem krankheitsgerechten und gesundheitsfördernden Lebensstil.

Am Beispiel der koronaren Herzerkrankung wurden wissenschaftlich die Effekte von Lebensstiländerungen, in Sonderheit von körperlichem Training, Ernährungsumstellungen und Nichtrauchen, auch im Vergleich zu pharmakologischen Interventionen gut belegt.

Seit 1. Januar 2005 sind o.g. Schulungsmaßnahmen integraler Bestandteil des Disease Management-Programms KHK.

 

Sozialrechtlicher Hintergrund von Herzgruppen

Im Sozialgesetzbuch IX (§ 44 Abs. 1, Nr. 3) wurde 2001 Rehabilitationssport als ergänzende Leistung zur Rehabilitation festgelegt.

Auf der Ebene der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) haben

  • die Rehabilitationsträger (gesetzliche Krankenkassen, gesetzliche Unfallversicherer, Träger der gesetzlichen Rentenversicherung und der Alterssicherung der Landwirte, Träger der Kriegsopferversorgung) und
  • der Deutsche Behindertensportverband e.V.,
  • die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. und
  • die Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.

eine neue „Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining – (RV) –“ geschlossen (Termin des Inkrafttretens: 01.01.2011), die für den „Rehabilitationssport in Herzgruppen“

  • nach Verordnung durch den behandelnden Arzt/Ärztin (Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport Muster 56)
  • und Bewilligung durch Rehabilitationsträger

im Regelfall einen Leistungsumfang von 90 Übungseinheiten in einem Zeitraum von 24 Monaten vorsieht.

Weitere Verordnungen sind möglich bei ergometrisch ermittelter maximaler Belastungsgrenze von < 1,4 Watt/kg Körpergewicht.. (Vordruck Muster 56)

Bei akuten und schweren Komplikationen des Krankheitsverlaufs wird erneut nach Verordnung der volle Leistungsumfang bewilligt. (Einzelheiten s. RV)

Indikationen für Herzgruppen

Nach 2.1 der Rahmenvereinbarung kommt Rehabilitationssport für behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen in Betracht.

  • Koronare Herzerkrankung
    • mit stabiler Angina pektoris
    • nach ST-Hebungsinfarkt
    • nach Nicht-ST-Hebungsinfarkt
    • nach Reinfarkt
    • nach PTI mit/ohne Stentimplantation
    • nach Bypass-Operation
    • nach Herzwandaneurysmaektomie
  • Herzvitien jeder Art mit und ohne operative Korrektur
  • Zustand nach Endo-, Myo-, Perikarditis
  • Kardiomyopathie
  • Herzinsuffizienz
  • Zustand nach Schrittmacherimplantation
  • Zustand bei implantiertem Defibrillator
  • Zustand nach Herztransplantation
  • Ausgeprägte funktionelle Herz-Kreislaufstörungen
    • insbesondere arterielle Hypertonie mit kardiovaskulären Schäden
    • hyperkinetisches Herzsyndrom

Voraussetzungen für die Teilnahme

  • Kardiovaskuläre Belastbarkeit nach standardisierter Fahrradergometrie unter Medikation — mindestens 0,4 Watt/kg Körpergewicht
  • Stabile kardiovaskuläre Symptomatik unter Medikation
  • Keine, die Motorik wesentlich einschränkende, orthopädische Erkrankung

Die kardiovaskuläre Belastbarkeit sollte im Verlauf bei fehlender akuter Symptomatik einmal im Jahr kontrolliert werden.

Struktur der Herzgruppen

Herzgruppenträger

(Sportvereine, Rotes Kreuz, Volkshochschulen, Kneipp-Vereine, freie Vereinigungen auch an Kliniken) sichern die Trägerschaft, tragen Verantwortung für fachkompetentes Personal, sorgen für räumliche Übungsmöglichkeiten, Notfallausrüstung, spezielle Sportgeräte und Finanzierung.

Herzgruppenärzte/-innen

sind überwachend bei Übungseinheiten anwesend, beurteilen die aktuelle Belastbarkeit, sorgen für rehabilitative und sekundärpräventive Prozessqualität und betreuen die Patienten in kardialen Notfällen.

Übungsleiter/-innen

(Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, Sportpädagogen, Trainer und Übungsleiter aus dem Sport) sind fachkompetent ausgebildet (Ausweis), werden alle zwei Jahre fortgebildet (Ausweis) und gestalten die Bewegungs- und Sporttherapie.

Teilnehmer-/innen

holen das Einverständnis des behandelnden Arztes ein, sind mit der Einsicht in ihrer Patientenunterlagen einverstanden und geben bereitwillig über ihren aktuellen Gesund-heitszustand Auskunft.

Haftpflichtversicherung für Herzgruppenärzte

Ärzte im Ruhestand, bei denen die Berufshaftpflichtversicherung nicht mehr existiert oder Ärzte, bei denen die Berufshaftpflichtversicherung die Herzgruppenarbeit nicht abdeckt, wird nachdrücklich empfohlen, die Tätigkeit in der Herzgruppe mit einer anderen Berufshaftpflicht-versicherung abzusichern. So sollten z.B. Klinikärzte im Zweifel mit Ihrer Versicherung klären, ob ihre Herzgruppentätigkeit mitversichert ist.

Was kann getan werden?

Für Herzgruppen-Ärzte besteht im Falle einer Mitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR; www.dgpr.de) Einschluss in die Gruppen-Haftpflichtversicherung.

Kosten der Mitgliedschaft in der DGPR für Ärzte: 100 €/Jahr;
bei nachgewiesener Mitgliedschaft in der Herz-LAG Bayern reduziert sich dieser DGPR- Mitgliedsbeitrag um die Hälfte (50 €/Jahr).

 


Empfehlung der Herz-LAG Bayern für Ärzte, die Bedarf an einer Berufshaftpflichtversicherung zur Absicherung ihrer Herzgruppen-Tätigkeit haben:

  • Mitgliedschaft in der Herz-LAG Bayern (40 €/Jahr) und
  • Mitgliedschaft in der DGPR (50 €/Jahr)

Damit: Absicherung der ärztlichen Herzgruppen-Tätigkeit

            für insgesamt 90 €/Jahr